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Unsere Verblendungszusammenh​änge: Verstrickung und Auflösung

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Nicht die feh­lende Ver­nunft, In­tel­li­genz oder das feh­lende Verantwortungsgefühl ist das Pro­blem, es ist viel­mehr die Ver­blen­dung durch den schwe­ren Nar­ziss­ten. Des­sen Adep­ten können am ehe­s­ten ver­stan­den wer­den als "aus unsterb­licher Liebe Blin­de, eben Verblendete“.

 

Grundsätzlich ist jeder Mensch mit Empathie hierfür, für die Liebe, empfänglich, der Gebildete etwas weniger als der Ungebil­dete, der empathiearme bis -lose schwere Narzisst, der Liebe nur vom Hörensagen kennt, dagegen nicht. Die Vorausset­zung für Verblendung ist Sympathie, der beste Schutz vor ihr ist Antipathie. Deshalb wird sich der "Linke" nur von einem ihm sympathischen "linken" Idol verblenden lassen, niemals von einem ihm a priori unsympathischen "rech­ten" und natürlich vice versa und dito bei allem (un)möglichem anderem auch.

 

Erst die korrekte Diagnose ermöglicht die adäquate Therapie. Es ist weder sinnvoll, notwendig noch zielführend, den Verblendeten beispielsweise als "Idioten" zu entwerten und diesen dadurch in seiner bisweilen wahnhaften Verblendung zu bestärken. Zudem kann dieses Vorgehen einen weiteren schweren Narzissten demaskieren. Konstruktiv und deshalb immer angebracht ist nur, ihn verstehen zu wollen und dem Verblendeten Sympathie entgegen zu bringen, etwa im Sinn von: "Hey, Du bist ein genauso vernünftiger, gescheiter, guter Mensch wie ich. Ich verstehe auch Deine Wünsche, Träume, Sehnsüchte, Bedenken, Sorgen, Ängste und Nöte sehr gut, und ich habe und fühle diese alle irgendwie doch auch. Den­noch sehe ich dies etwas anders..."

 

Der Verblendungszusammenh​ang, ob antik, theologisch oder modern (Realitätsverleugnung​) und ob individuell oder kollektiv, ist ohne Einsicht in das System Verblender (schwerer Narzisst bis hin zum „religiösen Gott“) / Verblendeter (empathischer Mensch) ein unvollständiger. Beispielsweise kann er von einem schweren Narzissten auch einer ganzen Nation übergestülpt werden, der ganzen Welt oder, am grandio­sesten, dem ganzen „Multiversum“. Der schwere Narzisst muss nicht eine Person sein. Der schwere Narzissmus kann auch vom und im Kollektiv erschaffen werden, beispielsweise von einer Partei oder von einer Nation, und das Idol kann auch ein Ideal sein. Er kann nur aufgelöst werden durch die emanzipatorische Kraft der Kommunikation oder durch das Ver­schwinden des Idols. Im für immer und ewig gelten sollenden religiösen Verblendungszusammenh​ang beispielsweise impliziert dies, dass das Idol, in diesem Fall „Götter“ oder „Gott“, unsterblich und damit ewig ist.

 

Die Auflösung des Verblendungszusammenh​angs ist für den um seine Liebe betrogenen Verblendeten kurzfristig sehr schmerzhaft. Sobald er aber erkennt, wem er da eigentlich auf den Leim gegangen war, erlebt er dies immer als wun­derbare Befreiung, als ganz grosses Glück. Zudem lernt er aus seiner Erfahrung und wird in Zukunft vorsichtiger sein. Falls der Verblender genügend andere Adepten hat, hat er kurzfristig kein Problem mit der Auflösung. Er wird den seine einzigartige Grandiosität Verschmähenden aber immer bestrafen wollen. Langfristig ist er immer der Unglückliche, der rastlos Getriebene, der niemals authentische wahre Liebe empfangen sondern immer nur scheinbare Liebe erschaffen kann und irgendwann ist er der einsame von allen Verlassene.

 

Verst​ehen wir den gesunden inspirierenden Narzissmus und die kranke zerstörerische narzisstische Persönlichkeitsstö­ru​ng / Psychopathie (etwa 1% der Bevölkerung! - hmmm, hatte ich letzthin nicht etwas gehört von wegen "99% versus 1%"?), so verstehen wir (fast) die ganze Menschheitsgeschichte​ und sehr vieles in Psycholo­gie, Soziologie, Philosophie, Religion, Ökonomie und (Macht)politik. Beispielsweise ist ein Machtmensch oder ein Super­reicher fast immer, ein „strafender Gott“ ausnahmslos ein schwerer Narzisst.

 

Ganz egal, ob irgendein Verblendungszusammenh​ang aufgelöst werden kann oder nicht, ob wir meinen, nicht wir scheinbar Freien sondern der Andere wäre der im Verblendungszusammenh​ang Gefangene (wir sind es in diesem oder in jenem Aspekt ohnehin immer beide) und unabhängig davon, ob Verblendung durch einen Menschen, durch eine Partei, durch eine Institution (wie die EU), durch eine Ideologie, durch eine Religion oder durch irgendein anderes Idol oder Ideal vorliegt - gehen wir in diesem und in jedem anderen Konflikt auf den Anderen zu, reden wir mit ihm und sagen wir ihm:

 

"Hey, Du bist ein genauso vernünftiger, gescheiter, guter Mensch wie ich. Ich verstehe auch Deine Wünsche, Träume, Sehnsüchte, Bedenken, Sorgen, Ängste und Nöte sehr gut, und ich habe und fühle diese alle irgendwie doch auch. Dennoch sehe ich dies etwas anders. Aber ich mag Dich und ich mag mich und deshalb arbeite ich an der Auflösung meiner eigenen Verblendung und will ich gleichzeitig gemeinsam mit Dir und zu Dir eine möglichst vernünftige und nachhaltig tragfeste Brücke bauen, welche diesen Namen auch verdient.“


Kommentare von Lesern zum Artikel

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50%
(2 Stimmen)
Carolus Magnus sagte August 2016

Herr Binder, sie scheinen ein gut ausgebildeter und offenbar erfahrener Psychologe zu sein. Gerne hätte ich deshalb durch Sie eine, aus Ihrer Sicht bestätigende oder ablehnende oder auch versöhnende Analyse zur, im Schleswig Holsteinischen Ärzteblatt erschienen Aussage des Herrn Dr. Jörg Gölz, seines Zeichens Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin.

http​://www.sackstark.info​/wp-content/uploads/2​012/09/Dr.med_.Joerg_​.Goelz_Suchtmedizin.p​ng

Besten Dank.

Carolus Magnus



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50%
(10 Stimmen)
Thomas Binder sagte July 2015

Das grösste Problem der Menschheitsgeschichte​: Grandioser Schein eines in Wahrheit bemitleidenswerten Sein

http://www.vi​mentis.ch/dialog/read​article/das-groesste-​problem-der-menschhei​tsgeschichte/


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