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Professionelle Gamer in der Schweiz

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Im Gegensatz zu den USA oder dem Vereinigten Königreich ist das Online-Glücksspiel in der Schweiz illegal. Dennoch geben die Schweizer Casinos jährlich 250 Millionen Franken an die Netzkonkurrenz aus dem Ausland ab, wie der Tagesanzeiger berichtete. Wie ist das möglich, wieso lassen sich die Onlinespieler in der Schweiz trotz Verbot zu den Casinos locken und was unterscheidet den Spielemarkt in der Schweiz von dem in anderen Ländern wie Grossbritannien oder den USA? Diesen Fragen sind wir nachgegangen und haben ein erhebliches Strukturproblem festgestellt.

Schweiz​er Zocker - Anders als der Rest?

Wie Inside News berichtete, zeichnet sich in der Schweizer Bevölkerung ein ähnliches Bild ab wie überall sonst auf der Welt: Zocker sind schon lange nicht mehr nur männliche Jugendliche unter 20, sondern das Zocken an PC und Konsole ist längst in der Mittelschicht angekommen und ein Phänomen, das sich durch alle Altersgruppen zieht. So sind die sogenannten Silver-Gamer, also Spieler über 50 Jahren, schon lange keine Seltenheit mehr. Inside News verrät, dass 74% der 14-29-jährigen, 63% der 30-49-jährigen und fast jeder vierte (24%) über 50 Jahren heute Video- oder Computerspiele spielt.

Interessant ist auch, dass der Bekanntheitsgrad von neuen Technologien wie beispielsweise der VR-Technologie rasant wächst. Während im vergangenen Jahr nur rund 46% der Bevölkerung angab, mit dem Stichwort VR etwas anfangen zu können, waren es in diesem Jahr bereits 88%.

Online Gaming und eSports wird zum Massenphänomen

Auch der eSport-Trend ist längst in der Schweiz angekommen. Interessanterweise auch in Verbindung mit Casinos, denn erst kürzlich haben sich im Grad Casino Luzern rund 130 Gamer versammelt, um sich digital im Fussball zu messen. Interessant ist dabei insbesondere diese Verknüpfung von Glücksspiel und eSports, denn einerseits laufen die überwiegend jungen Männer an den schillernden Glücksspielautomaten vorbei, um sich an die Konsole zu setzen und andererseits ist es ihnen in der Schweiz verboten, in einem Online Casino wie Guts.com zu spielen. Wie die Luzerner Zeitung berichtete, wurde das Event auch auf Twitch übertragen und die Nachfrage war riesig.

Auch das Angebot von Onlinecasinos wächst stetig. Die Nachfrage ist weltweit enorm und das Angebot ist überwältigend. Auch mit Innovationen warten Entwickler wie Microgaming auf und bieten mittlerweile VR-Onlinecasinos mit echten Dealern und machen das Angebot so attraktiv wie nie zuvor. Nur mit Verboten und dem Ausbau von lokalen Spielbanken kann hier nicht mehr entgegengewirkt werden.

Es besteht also kein Zweifel daran, dass die Schweizer Gesellschaft ebenso voll im Online-Gaming-Trend involviert ist, wie andere Länder um sie herum auch. Andererseits sind die Schweizer aber auch ein wenig anders...

Der Exoten-Faktor

Daniel Lutz, der den Sprung von Zürich aus ins Game-Entwickler-Mekka​ Montreal geschafft hat, formulierte es ganz treffend, als er sagte: "Wir Schweizer haben den Exoten-Faktor". Denn eines ist klar: Die Schweiz ist kein Exportland für Computer- und Konsolenspiele. Zuletzt schloss beispielsweise auch Ubisoft sein Züricher Studio, sodass hinsichtlich Entwicklung die Zeiten in der Schweiz nicht sehr rosig aussehen. Das kann in Zeiten der Digitalisierung und einer immer stärker werdenden Computer-Spieleindust​rie zum echten Wettbewerbsnachteil werden.

Dass es hinsichtlich Innovation auch anders geht, zeigt die Y&R Group Switzerland, die erst kürzlich ein Augmented Reality Game für die Migros Gruppe kreiert hat. Dennoch hinkt die Schweiz allgemein dem Rest der westlichen Welt ein Stückweit hinterher. Doch bremst das auch die Entwicklung des Videospielemarktes in der Schweiz?

Entwicklung der Gaming-Branche in der Schweiz

Der Videospielemarkt in der Schweiz boomt - ebenso wie fast überall auf der Welt. Während in den vergangenen Jahren bis 2016 ein stetiger Zuwachs zwischen 13 und 14% erreicht wurde, erwartet die Branche bis einschliesslich 2019 Zuwächse von mehr als 5%, wie Statista prognostiziert. Alleine 2016 wurden mit Spielen für Konsole, Computer, Handy & Co. mehr als 516 Millionen Schweizer Franken erwirtschaftet.

Betra​chtet man die Absatzzahlen von Computerspielen, stellt man schnell fest, dass die Schweiz im Jahr 2015 kein einziges Spiel zum Verkaufspreis über 20 Euro in nennenswerter Stückzahl auf die Ladentheke bringen konnte. Bei den Briten sah dies schon anders aus, hier konnten gleich sieben AAA-Titel für den weltweiten - und damit auch den Schweizer Markt - entwickelt werden. Aus Kanada kamen gleich 23 solcher Spiele und aus den USA und Japan jeweils 16. Allerdings schaffte es aus Deutschland mit dem Landwirtschaftssimula​tor auch gerade einmal ein Spiel zum Welterfolg, das ironischerweise in der Schweiz entwickelt, aber über den deutschen Publisher Astragon vertrieben wird.

Zukunftschancen​

Fakt ist eines: Wer keine Blockbuster bastelt, ist im weltweiten Markt chancenlos. Die Subventionen für Schweizer Entwickler sind zu gering und es ist unwahrscheinlich, dass die Schweiz als "Entwicklungsland" hier wieder aufholen wird. Am Boom der Onlinespiele, Onlinecasinos und eSports-Turniere gibt es nichts mehr zu rütteln und es ist schwer vorstellbar, dass der Markt in der Schweiz durch Webseiten-Sperren reguliert werden wird, denn der Nationalrat ist uneinig. Entsprechend ist absehbar, dass schweizer Spieler auch zukünftig das Onlineangebot ausländischer Anbieter nutzen werden, obwohl die Rechtslage fraglich ist. Alleine daraus ergibt sich ein enormer Steuerverlust und ein Wettbewerbsnachteil für die Entwickler, denn während Spieler aus Grossbritannien, den USA oder anderen Ländern in Europa freien und legalen Zugriff auf den wachenden Markt des Online-Glücksspiels haben, hinken die Schweizer in einer Grauzone hinterher. 

Lösen lässt sich das Problem nur durch Reformen, die von der Politik ausgehen müssen. Ob sich hier in den kommenden Jahren jedoch etwas tun wird, bleibt abzuwarten.

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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75%
(4 Stimmen)
Willi Frischknecht sagte August 2017

Ob einer spielen will oder nicht ist mir eigentlich egal. Aber wenn man nach Zensur schreit nervt mich das gewaltig.
Die Politiker wollten ja keine CH On­line Ca­si­nos und nun haben sie die Quittung.


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57%
(7 Stimmen)
Karlos Gutier sagte August 2017

P.Bachmann:
250 Mil­lio­nen Fran­ken könnten da einen Unterschied machen.
------------​--------------

Sie​ glauben wohl nicht, dass dann dieses Geld für Menschen hier verwendet wird, es ginge nach Afrika oder in die EU.


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75%
(8 Stimmen)
jan eberhart sagte August 2017

Mit einer chinesischen Internet-Zensur? Sicher nicht.

Im übrigen geht hier allein um Wirtschaftspolitik, nicht um Schutz von Einzelpersonen, die hier anfällig sind.

Wenn die Casino-Industrie die Konkurenz per Zensur ausschalten kann, werden das auch andere tun.


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