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Eric Gujers Lismete

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Eric Gu­jers Lismete:

 

«Kommentar​​​ - Die Schweiz ist kein Kleinstaat, und sie ist auch keine Willensnation»

«NZZ» vom 11.04.2019 - hoch aktuell

Link:

https:/​​​​/www.nzz.ch/meinun​g​/​e​u-und-die-schwe​iz​-l​d.​1473508 .

 

«NZZ»-Chefredakto​​​​r Gujer schreibt über die Geschichte der Schweiz, die für ihn weitgehend aus Mythen besteht.

 

Herr Gujer tut so, als ob wir Schweizer nicht wüssten, dass Wilhelm Tell eine Sagenfigur ist. Allerdings: der deutsche Dichter Friedrich Schiller hat diese Sagenfigur in seinem Drama «Wilhelm Tell» zu einer Identifikations-, einer Leitfigur gemacht für alle die Menschen, die frei sein wollen  - «wie die Väter waren» («Wilhelm Tell» II 2).

In Deutschland wurden um 1848 - wir gründeten den Bundesstaat - die demokratischen "Revolutionäre" erschossen, eingesperrt, des Landes verwiesen oder sie verliessen von sich aus die von Adligen aller Art regierten und unterdrücken deutschen Länder und kamen in  grosser Zahl in die Schweiz, ins Land des Tells.

 

Wie Gujers Betrachtungen zeigen, fehlt es ihm am Verständnis der Schweizer-Geschichte - wo hat er welchen Geschichts-Unterricht​​​​ erlebt? Kaum zu glauben: Herr Gujer hat in Deutschland an den Universitäten Freiburg im Breisgau und Köln Geschichte, Politikwissenschaft und Slawistik studiert - also Geschichte aus Deutscher Sicht.

 

Gujer schreibt des Weitern:

«Zum Glück waren wir aber nie eine Willensnation, sonst wären wir längstens auseinandergelaufen. Denn es gibt kaum etwas Unsteteres als den menschlichen Willen.»

 

Halt, sichern: Sind wir sicher, dass der Gujer, der sich jetzt mit allen Mitteln für die EU und unsere Abhängigkeit von der EU einsetzt, immer noch der Gujer sein wird, der - nach erfolgter Abstimmung über den EU-Rahmenvertrag in diesem Jahr - immer noch für die EU und unsere Abhängigkeit von der EU sein wird? Denn, so Gujer: «Es gibt kaum etwas Unsteteres als den menschliche Willen».

 

Gujer weiter in seiner saloppen Art:

«Das kann jeder an Kindern sehen, die sich zwischen verschiedenen Spielsachen entscheiden müssen, oder an den Sozialdemokraten, die mal für und mal gegen das Rahmenabkommen sind.»

 

Diese Begründung sollte sich jeder Leser dieser Zeilen auf der Zunge zergehen lassen:

- Wir waren, wir sind, so Gujer, keine Willensnation, weil Kinder sich einmal für dieses einmal für jenes Spielzeug entscheiden oder weil sie nicht wissen, welches Spielzeug sie wollen; das ist typisch kindlich; aber die Kinder werden ja zu Erwachsenen - ?!

Und:

- Wir waren, wir sind keine Willensnation, so Gujer, weil die SP Schweiz im Laufe der Zeit zur Erkenntnis gekommen ist, dass das Rahmen"abkommen" mit der EU in der heutigen Form die wichtigen flankierenden sozialen Massnahmen in Frage stellt, wenn nicht sogar beseitigt - über den EuGH.

Beides hat mit der Schweiz als ‚Willensnation‘ nichts tun!

Jeder kann seine Überlegungen korrigieren, seine Erkenntnisse vertiefen und seine Entscheide entsprechend anpassen - ist das auch Herrn Gujer möglich?

 

Fazit:

Her​​​​r Gujer, der Chefredaktor der «NZZ» ist in seiner oberflächlichen „Argumentations“art schwer zu überbieten!

 

Fakten zur Ausbildung der Schweiz als ‚Willensnation‘:

 

Ca​​​​rl Spitteler, Nobelpreisträger für Literatur rief nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu strikter Neutralität auf - in seiner Rede an das «Schweizer Volk»: «Unser Schweizer Standpunkt»

Link:

htt​​​​ps://www.srf.ch/ku​l​t​u​r/literatur/uns​er​-s​ch​weizer-stand​pun​kt-​die​-rede-fue​r-di​e-ca​rl-s​pittel​er-bi​tter-​bezah​len​-musst​e .

Vor und während des Ersten Weltkrieges waren viele Schweizer, vor allem in der Ostschweiz - Militärs und Politiker und Leute der Wirtschaft - hoch begeistert von Kaiser Wilhelm II..

Die "Kaiser"manöver der Schweizer Armee von 1912 in der Ostschweiz lösten zum Teil grosse Begeisterung aus. Der deutschstämmige, überaus deutschfreundliche Oberst Ulrich Wille-von Bismarck wurde nur General der Schweizer Armee, weil der Bündner Oberst von Sprecher auf Bitten und Drängen Willes, der ihn aufgesucht hatte offiziell verzichtete. Während des Ersten Weltkrieges besichtigte ein Mitglied des deutschen Kaiserhauses in der Schweiz die Fortifikation Murten, die einen Stoss der französischen Armee durchs Mittelland hätte aufhalten sollen. Es versteht sich von selbst, dass unsere Welschen über die Kaisereuphorie, die Generalswahl, die Verletzungen der ‚Neutralität‘ zu Gunsten Deutschland sehr verärgert waren.

In dieser für den Zusammenhalt der Schweiz höchst prekären Situation entwickelte sich langsam aber sicher die Erkenntnis, dass die Deutschschweizer nicht in Deutschland, die Welschen nicht in Frankreich, die Tessiner nicht in Italien gut mit ihren Eigenheiten und Werten aufgehoben wären und dass mit den Rätoromanen unsere vier Kulturen gegenseitig auf einander angewiesen sind, zum eigenen Vorteil und zum Wohl des Ganzen:

 

Die Schweiz als Willensnation

 

Gujer​​​​ meint: «Wir Schweizer müssen uns schon wegen der Sprachenvielfalt immer wieder rückversichern, dass wir nicht Franzosen, Italiener oder Deutsche mit sehr seltsamem Akzent sind.

Ich frage mich, wie Gujer sich als DeutschSCHWEIZER fühlt, wenn er sich immer „rückversichern“ muss, dass er kein Deutscher ist.»

 

Da schreibt Gujer einmal ganz vernünftig und widerspricht sich selbst:

«Eine starke Identität ist für die Schweiz geradezu überlebensnotwendig»

Allerdings - die «NZZ» und Gujer persönlich - z. Bsp. in dem vorliegenden von mir kritisierten Artikel - tun alles, um diese «starke Identität» zu untergraben.

 


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