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Der lange Weg zur BDP

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Die Bürgerlich-Demokratis​che Par­tei der Schweiz wurde am 1. No­vem­ber 2008 in Gla­rus gegründet. Ihre ei­gent­li­che Ge­schichte hat aber mehr als 100 Jahre vor­her be­gon­nen. Wie jeder lange Weg ver­zeich­nete auch der­je­nige der BDP Um­we­ge. Aber die bürgerlich-demokratis​chen Grund­werte haben sich über meh­rere Ge­ne­ra­tio­nen eta­bliert und bewährt. Wer die BDP heute ver­ste­hen will, der muss ihre Wur­zeln und ihre Ge­schichte ken­nen. Denn Zu­kunft braucht Herkunft.

Nachdem sich im Kanton Glarus die Demokraten schon 1902 von den Freisinnigen abgespalten hatten, formierte und organisierte sich im Kanton Graubünden während des ersten Weltkriegs eine Gruppe von sozialliberalen Freisinnigen zur „Jungfreisinnigen Vereinigung Chur“. Sie forderten neben der Demokratisierung des politischen Lebens mit Referendum und Initiative auch eine Demokratisierung der Wirtschaft. Der Flügel der Jungliberalen und Jungfreisinnigen wollte die FDP reformieren und forderte den herrschenden freisinnigen Geld- und Familienadel heraus. Das Establishment möge sich für das Proporzwahlrecht, für das Frauenstimmrecht, für die Arbeitnehmenden und für eine echte Volksarmee einsetzen. Ebenso sollen sich die Freisinnigen nicht mehr mit den Konservativen verbünden, da so die Kluft zwischen Bürgerblock und Arbeiterschaft unnötig vergrössert werde.

Doch die Freisinnigen lehnten die Anliegen der jungen Generation konsequent ab, worauf 1919 offiziell die „Demokratische Partei Graubünden“ gegründet wurde. Die Erfolge liessen kantonal und national nicht lange auf sich warten, und rund 20 Jahre später waren die Demokraten die stärkste Partei in Graubünden.

Zeitlich​ beinahe parallel wurden in den Kantonen Zürich und Bern Bauernparteien gegründet. Im Kanton Bern stiessen schon bald der Gewerbeflügel und die Liberal-Konservativen​ dazu. Die Anstösse zur Gründung waren einerseits die wirtschaftspolitische​n Gegensätze zwischen Bauern und Unternehmern innerhalb der Freisinnigen Partei und andererseits das aus Sicht der Jungen zu wenig energische Auftreten gegen die Sozialisten. Zu den prägenden Persönlichkeiten gehörte namentlich Rudolf Minger, der dank seiner Wahl in die Landesregierung die „Bernische Bauern- und Bürgerpartei“ 1929 zur Bundesratspartei machte.

Die Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) wurde Ende 1936 als gesamtschweizerische Partei gegründet, die Demokratische Partei im Jahr 1941. Beide verstanden sich ursprünglich als Oppositionsparteien gegen den vorherrschenden Freisinn und setzten sich für mehr Demokratie, konkret für den Proporz ein.

1971 schliesslich vereinigten sich BGB und Demokraten zur Schweizerischen Volkspartei (SVP). Sie verstand sich als Partei der Landwirtschaft, des Gewerbes, der freien Berufe – aber auch der Arbeitnehmenden. Bemerkenswert aus heutiger Sicht ist die damalige Wahl des französischen Namens der Partei: Union démocratique du centre (UDC). Die damalige SVP verstand sich also als Demokratische Zentrumsunion – eine Mittepartei mit sozial-liberalen Elementen.

Mit der stärkeren werdenden Einfluss des so genannten „Zürcher Flügels“ und der Führungsrolle von Christoph Blocher legte die SVP rasant zu und schrieb eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Gleichzeitig entfernte sie sich aber ebenso rasant von den ursprünglich sozial-liberalen Elementen und entwickelte sich zu einer rechts-populistischen​ und kompromisslosen Partei.

Im Dezember 2007 wählte das Parlament die Bündner SVP-Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf anstelle von Christoph Blocher in den Bundesrat. Die SVP-Fraktion verlangte daraufhin ultimativ den Rücktritt von Eveline Widmer-Schlumpf und Samuel Schmid, der mit 201 Stimmen wiedergewählt worden war. Mit dem anschliessenden Ausschluss ihrer beiden Bundesratsmitglieder verletzte die SVP-Fraktion das verfassungsmässige Wahlrecht des Parlaments. Diese Missachtung der Verfassung ist heute sogar in den Statuten der SVP Schweiz verankert.

Wenig später schloss die SVP Schweiz auch die ganze Sektion der SVP des Kantons Graubünden aus. Mit der anschliessenden Gründung der Bürgerlich-Demokratis​chen Partei der Schweiz (BDP) fanden die ursprünglichen Werte der ehemaligen BGB und der Demokraten endlich wieder eine Heimat. Die BDP definiert sich heute als gesellschaftsliberale​ und innovative Partei der bürgerlichen Vernunft. Sie bezieht nicht nur moderne und zukunftstaugliche Positionen, sondern zeichnet sich insbesondere durch eine sachliche Lösungsorientierung aus.

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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(3 Stimmen)
jan eberhart sagte October 2019

Die CVP und GLP haben sicher noch Platz in ihrer Fraktion.


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75%
(4 Stimmen)
Willi Frischknecht sagte October 2019

Der lange Weg zur BDP und das schnelle das schnelle Ende er BDP. Die BDP lösst sich mit jeder Wahl etwas mehr auf, spätestens mit dem Rücktritt des letzten noch amtierenden Parlamentarier ist diese Partei Tod.


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47%
(15 Stimmen)
Martin Bracher sagte October 2015

BDP = Bürgerlich???

Also​​ in der Studie(siehe Link) von Herr Bosshart welche das Abstimmungsverhalten im Nationalrat aufzeigt, zeigt sich ein ganz anderes Bild, dort ist die BDP bereits weit links der Mitte!


https://w​ww.vim​entis.ch/dialo​g/reada​rticle/wie-de​r-nation​alrat-tickt-​wenn-es-u​m-die-wurst​-geht/?jum​pto=166439​


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55%
(11 Stimmen)
Jörg Matter sagte September 2015

Ja, diese Text ist vollständiger so echt historisch!


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50%
(16 Stimmen)
Paula Brown sagte September 2015

die BDP wurde am 1.11.2008 gegründet. Vorher gehörten die liberal denkenden SVP'ler zur Mutterpartei SVP. Da Widmer-Schlumpf sich in die Landesregierung wàhlen liess, gegen den Willen der SVP Fraktion, entschloss dann die SVP Schweiz die ganze Bündner SVP auszuschliessen. So suchte diese einen neuen Namen BDP = Bürgerlich Demokratische Partei. Unterstützung fand sie auch bei der SVP Bern und Glarus.Durch ihren Sitz im Bundesrat, verlor Christoph Blocher sein Bundesratsmandat. Dies war im Interesse der SVP Bern, Glarus und Graubünden. Es war ein abgesprochener Deal.
E. Widmer - Schlumpf glänzt nicht durch besondere Leistungen in Bern. Sie macht ihr Arbeit korrekt und verantwortungsvoll. Es fehlt ihr an Auftreten und Charisma.


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58%
(24 Stimmen)
Jürg Wolfensperger sagte September 2015

..Wurzeln und Geschichte??...Die BDP hat Wurzeln und Geschichte??..das ist aber neu!!...das ist die EWS-Partei!...wenn diese Frau ihre "Schuldigkeit"getan hat,...gibt es auch keine BDP mehr..!.eine Partei,die gegründet wurde,um einen "gestohlenen"Bundesra​tsitz zu erben,damit man am Spiel von Macht und Einflussnahme teilhaben kann,hat von Beginn weg faule Wurzeln.Darum wird sie wieder verschwinden,so rasch,wie Sie gekommen ist.


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70%
(23 Stimmen)
wil vonier sagte September 2015

Der Kommentar mag zwar in vielem stimmen-als ganzes stimmt er kaum. Nebst der "alten"FDP, der BGB
gab es ja auch den Landesring, welcher nicht unaehnliche Ziele verfolgte. Die Abspaltung von der SVP zur BDP war - vor allem in/um Frau Widmer-Schlumpf war alles andere als bürgerlich/demokratis​ch/gradlinig-
und kaum ein politisches Glanzstueck.
Und eben diese Gradlinigkeit, Klarheit in vielen sachfragen - fehlt der jetzigen BDP. mal sehen , wie's
nach den wahlen aussieht.


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52%
(21 Stimmen)
Alex Schneider sagte September 2015

Mitte-Parteien ohne mehrheitsfähige Lösungen

Leider sind die Mitte-Parteien in der Schweiz nicht in der Lage, zu grossen und komplexen politischen Problemen mehrheitsfähige Lösungen durchzusetzen. Dazu müssten sie sich fallweise mit einer Polpartei verständigen oder eigenständige Initiativen ergreifen. Beides wollen oder können sie nicht. So bleibt es denn vielfach bei Abstimmungen bei einem die Lösung blockierenden „Soo nicht!“



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