Lexikon: Währungsunion

Unter einer Währungsunion versteht man das Führen einer gemeinsamen Währung von zwei oder mehr Ländern.
Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten wie eine Währungsunion entstehen kann. Eine Möglichkeit ist, dass die beteiligten Länder mittels einer vertraglichen Abmachung eine neue gemeinsame Währung schaffen, bzw. eine der bestehenden zur gemeinsamen Währung erklären. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Europäische Währungsunion mit dem Euro als gemeinsame Währung.
Die zweite Möglichkeit ist, dass ein Land die Währung eines anderen Landes übernimmt. Man spricht in diesem Fall auch von einer unilateralen oder de facto Währungsunion. Beispiele dafür sind Länder wie Andorra oder Montenegro die den Euro faktisch als Währung nutzen, obwohl sie nicht der Europäischen Währungsunion angehören.
Weil eine Währungsunion per Definition eine einheitliche Währung hat, müssen alle beteiligten Länder auch eine gemeinsame Währungspolitik führen. Entweder wird diese von einer einzigen gemeinsamen Zentralbank gemacht oder aber die nationalen Zentralbanken bestehen weiter und die Geldpolitik wird einfach von einer gemeinsamen Notenbank koordiniert.
Eine Währungsunion kann folgende Vorteile für die beteiligten Länder bringen:
  • Administrative Vereinfachungen für die Unternehmen, weil sie nicht mehr verschiedene Währungen halten, umrechnen etc. müssen.

  • Verschwinden der Wechselkursrisiken bei Transaktionen innerhalb der Währungsunion.

  • Stabilere Währung, wenn die gemeinsame Zentralbank eine restriktivere Geldpolitik fährt, weil sie z.B. unabhängiger von der nationalen Regierung ist.

  • Mehr Wettbewerb zwischen den beteiligten Ländern, weil grenzüberschreitende Transaktionen einfacher und die Preise besser vergleichbar sind.

Die Währungsunion kann aber auch Nachteile mit sich bringen:
  • Länder mit einer anderen Wirtschaftsstruktur als die Mehrheit der Mitgliedsländer können von Schocks ungleich betroffen sein. Die zwingend gemeinsame Währungspolitik kann deshalb für einzelne Länder überhaupt nicht angemessen sein.

  • Wenn die einzelnen Länder noch gewisse Zentralbankkompetenzen haben, kann ihre Geldpolitik negative Auswirkungen auf die anderen Länder der Währungsunion haben.

  • Wenn einzelne Länder eine zu expansive Fiskalpolitik betreiben (hohe Staatsausgaben) kann dies ebenfalls negative Auswirkungen auf die anderen Länder haben.

Aus diesem Grund gibt es in den meisten Währungsunionen (z.B. auch in der Europäischen Währungsunion) Höchstgrenzen für die Staatsdefizite und Schuldenquoten der Mitgliedsländer.
Oftmals entstehen Währungsunionen im Zusammenhang mit Freihandelsräumen oder sogar einer engen politischen Zusammenarbeit der Mitgliedsländer.

 

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Artikel wurde am 26.03.2012 aktualisiert


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